Sehr geehrte Frau Jäger,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde!


Noch gut erinnere ich mich an den 16. September 1996, als mir der Umweltpreis 1995 verliehen wurde. Ich betonte damals, dass ohne die Hilfe Gleichgesinnter ein so erfolgreicher Einsatz für den Naturschutz nicht möglich gewesen wäre.

Daher freue ich mich heute als Vorsitzender des NABU Obertshausen außerordentlich, dass nun die Mitglieder der Ortsgruppe für ihren z. T. jahrzehntelangen Einsatz zum Erhalt der Natur Anerkennung und Würdigung erfahren!

Ende dieses Jahres können wir vom NABU Obertshausen auf 30 Jahre Naturschutzarbeit zurückblicken.

Vor wenigen Tagen hatte ich unsere Publikation „Zur Vogelwelt der Stadt Obertshausen“ in der Hand und las mit einigem Unglauben, wie umfangreich der von uns gestellte Maßnahmenkatalog war.

Unsere Pläne reichten vom Biotopschutz und der Schaffung neuer Lebensräume

über Artenschutz

intensive Öffentlichkeitsarbeit

Kontaktpflege mit Magistrat und Parteien

bis zur Erforschung der heimischen Vogelwelt.

Nicht zu vergessen die Pflege und Aufzucht verletzter oder verlassener Vögel, Fledermäuse und weiterer Tierarten, die bei Ute Wernicke stets in besten Händen waren. Ihr oft selbstloser Einsatz wurde zweimal mit dem Umweltpreis der Stadt Obertshausen gewürdigt.

Mit Enthusiasmus haben wir unsere Pläne in Angriff genommen. Diese Begeisterung ging so weit, dass wir von der Unteren Naturschutzbehörde einen Bußgeldbescheid über 100 DM,- erhielten, weil wir in einem Landschaftsschutzgebiet Weidenbüsche gerodet hatten!

Völlig unverständlich für uns, wurden mit diesen Maßnahmen doch die Standorte heimischer Orchideen freigestellt und gesichert. Aber wir hatten alles richtig gemacht – heute sind diese Wiesen längst Naturschutzgebiet und Dank unserer Pflegearbeiten sind aus damals 50 Pflanzen 5000 geworden.

Bei Beginn unserer Aktivitäten hatten wir das Glück, dass mit Bürgermeister Robert Roth und der CDU-Fraktionsvorsitzenden Hildegard Bühl zwei Personen an wichtigen politischen Stellen standen. Hier fanden wir stets ein offenes Ohr für unsere Wünsche und Anregungen, und somit war eine gute und intensive Zusammenarbeit mit Magistrat und Parlament gegeben.

Als besonderes Ergebnis soll die Bildung eines Umweltbeirates erwähnt sein, der dem Magistrat als beratendes Gremium zur Seite stand.

Damit waren die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Naturschutz in Obertshausen geschaffen – eine Vielzahl an umgesetzten Ideen, von neu angelegten Amphibientümpeln über gepflanzte Obstbäume und Hecken bis zur Verfügung gestellte Wiesenflächen, die wir extensiv bewirtschaften, belegen diese positive Zusammenarbeit.


Aber wie es so oft eintritt – andere Menschen, anderes Denken.

Schon bald blies uns ein rauer Wind entgegen, so rau, dass wir unsere Mitarbeit im Umweltbeirat niederlegten.

Dies ist schon einige Jahr her, und unser jetziger Bürgermeister Bernd Roth, sinnigerweise der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters, ist ernsthaft bemüht, die Situation wieder zu verbessern.

Doch einmal mehr hat uns die Realität eingeholt.

In einem 130 jährigen Eichen-Buchenbestand erfolgten Einschläge im unmittelbaren Umfeld eines Betriebes, der expandieren will. Dies zu einem Zeitpunkt, als bereits ein Ökologisches Gutachten in Auftrag gegeben war, um die Bestände von Fauna und Flora zu ermitteln, um somit die Auswirkungen einer möglichen Betriebserweiterung besser beurteilen zu können.

Auf die Kritik von Bürgern und Naturschutzverbänden folgten lediglich Rechtfertigungen und Schuldzuweisung an das Forstamt.

Reaktionen, die wir uns schon mehrfach anhören mussten – und die zugesagte frühzeitige Information bei solchen Maßnahmen blieb wieder außen vor:


Meine sehr geehrte Damen und Herren,

Naturschützer sind ja besondere Menschen.

Wir opfern unsere Freizeit nicht zum Eigennutz oder Vergnügen:

Wir tragen in regnerischen Nächten Frösche und Kröten über die Straße, um sie vor dem plattgefahren werden zu bewahren;

Wir mühen uns mit Mähbalken Heugabeln und Rechen, um Feuchtwiesen und Orchideenstandorte zu erhalten;

Wir steigen auf hohe Leitern unter Dachvorsprünge, kriechen unter Kirchen- und Scheunendächer, um für gefährdete Vogelarten sichere Brutmöglichkeiten zu schaffen.

Wir vertreten die Interessen der Mitgeschöpfe, die sich nicht gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen wehren können, die keine Stimme und keine Lobby haben.

Oft genug werden wir dafür als Quertreiber oder Fortschritts-Verhinderer bezeichnet, denen Mopsfledermaus, Feldhamster, Hirschkäfer, Kammolch und wie sie alle heißen, wichtiger sind.


Wir wissen alle, dass dies nicht so ist.

Wir Naturschützer unterscheiden uns jedoch von den allermeisten Menschen durch die Gabe, die Natur als Ganzes zu sehen;

wir akzeptieren das Recht aller Geschöpfe auf Leben;

Wir kennen nicht die Ignoranz und den Egoismus der Menschen, die homo sapiens als Krone der Schöpfung ansehen und demzufolge ohne Rücksicht auf den Rest der Schöpfung handeln.


Und wir sehen bestürzt, fassungslos und zornig,

- dass die Zerstörung und Beanspruchung von Natur ungebremst fortgesetzt wird;

- wie wertvolle Brachen in Ackerland und landwirtschaftliche Nutzflächen in Maiswüsten zur Gewinnung von Biogas umgewandelt werden, womit das Artensterben beschleunigt wird;

- und wir sehen, wie bestimmte Vogelarten auf Betreiben kleiner Interessengruppen rücksichtslos verfolgt werden – und das mit Zustimmung aus politischen Kreisen!

Naturschutz ist ein umfassendes Thema, zu dem viel zu sagen ist und worüber heftig diskutiert werden kann.

Heute jedoch geht es um etwas Erfreuliches, eine Auszeichnung für den Einsatz im Naturschutz. Eine Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen und auf die wir stolz sind.

Die der Öffentlichkeit zeigt – da gibt es Menschen, die sich für die Natur und ein lebenswertes Umfeld einsetzen.

Dafür danken wir Ihnen,

- dem Kreistagspräsidium und dem Kreisausschuss für die Verleihung des Umweltpreises

- dem Magistrat der Stadt Obertshausen für die vielfältige Unterstützung

- dem Forstamt Langen für die gute Zusammenarbeit bei der Pflege des NSG Gräbenwäldchesfeld von Hausen

- der Vogelschutzwarte und dem Umweltamt des Kreises Offenbach, die uns als Ansprechpartner zur Verfügung standen

- und „last but not least“, allen Freundinnen und Freunden, die sich an unseren Aktivitäten beteiligt haben!


Auch wenn es oft schwierig und langwierig ist, Maßnahmen zu realisieren

- aber auch in Anbetracht der globalen Veränderungen wie dem Klimawandel mit all den prognostizierten und unabwendbaren Folgen -

wir werden uns weiter dafür einsetzen, Fauna und Flora zu erhalten.

Damit es hoffentlich auch in Zukunft noch möglich ist,

über eine orchideenbestandene Wiese zu blicken,

den Eisvogel am Bachufer,

die Schleiereule auf dem Kirchendach

und den Zug der Kraniche erleben können.

Eines Tages, wenn wir auf unser Leben zurückblicken, können wir sagen:

Wir haben das göttliche Wort „Machet Euch die Erde untertan“ nicht missverstanden

– wir haben unsere Mitgeschöpfe geachtet und mit Ehrfurcht behandelt.

Diese unsere Einstellung verdeutlichen wir einer breiten Öffentlichkeit und wir werben für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur, auch im weltumfassenden Medium Internet. Auf der Seite nabu-obertshausen.de ist von Aktuellen Ereignissen bis zum Vogelschutz alles über unsere Naturschutzaktivitäten zu lesen.

Lassen Sie mich schließen mit den, wie ich meine, tiefsinnigen Sätzen:

„Was ist der Mensch: Krone der Schöpfung oder Unfall der Evolution?“

Und als Ergänzung:

„Der Mensch ist das edelste aller Lebewesen, es gibt keines, was dem je widersprochen hat“.